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Geschichte des MKV

Seit jeher prägen Zusammenhalt, christlich-soziale Verantwortung und Bildung das Selbstverständnis des MKV – von seinen frühen Wurzeln bis in die Gegenwart.

Auf dieser Seite erfährst du, wie sich erste Schülerverbindungen gebildet haben, welche Werte sie getragen haben und wie sich daraus – trotz wiederholter Verbote und Widerstände – der heute größte Schülerverband Österreichs entwickeln konnte.

Wähle einen Zeitpunkt in der Zeitleiste, um zu sehen, welche Entwicklungen das Farbstudententum in dieser Epoche geprägt haben.

1543

Frühe Wurzeln

Bereits im Jahr 1543 entsteht am Honterus-Gymnasium im heutigen Rumänien eine organisierte Schülergemeinschaft.

Diese sogenannten “Coeten” verbinden Geselligkeit mit klaren Regeln und geben Schülern erstmals eine Stimme in schulischen Angelegenheiten. Über Jahrhunderte hinweg verbreitet sich diese Form der Schülergemeinschaft an vielen höheren Schulen und prägt das Verständnis von Zusammenhalt, Verantwortung und Mitbestimmung.

18. Jh.

Erste Orden

Im 18. Jahrhundert entwickeln sich an Universitäten geordnete studentische Gemeinschaften – sogenannte „Orden“ – mit festen Ritualen und gemeinsamen Werten.

In dieser Zeit entsteht ein zentrales Leitmotiv, das bis heute prägend ist: das Lebensbundprinzip. Die Idee dahinter ist einfach: Freundschaften und Verantwortung sollen über Schul- und Studienzeit hinaus Bestand haben.

1815

Die Urburschenschaft

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verändern sich diese Gemeinschaften grundlegend unter dem Eindruck der napoleonischen Eroberung: eine Reformbewegung geht durch die studentischen Bünde.

Der Wiener Kongress 1814/15 sichert vor allem die Macht der (deutschen) Fürsten und enttäuscht viele, die für Freiheit und Mitbestimmung gekämpft hatten. Auch unter Studenten wächst der Unmut. In diesem Umfeld entsteht 1815 in Jena die erste nationale Burschenschaft. Ihr Ziel ist eine Reform des studentischen Lebens und die Förderung von Bildung sowie demokratischer und nationaler Ideen – als bewusster Gegenentwurf zu Trinkgelagen, Duellen und überkommenen Traditionen. Gleichzeitig geraten viele Verbindungen unter politischen Druck und werden verboten.

1824

Schülerverbindungen trotz Widerständen

1824 entsteht in der badischen Stadt Rastatt mit der Markomannia die erste bis heute bestehende Schülerverbindung.

Nach dem Vorbild der Studentenverbindungen bilden sich in der Folge auch an Gymnasien organisierte Schülergemeinschaften. Da diese von Schulverwaltungen häufig abgelehnt werden, müssen viele im Verborgenen bestehen – was ihre Anziehungskraft für junge Menschen zusätzlich verstärkt.

1848

Aufbruch, Protest und staatliche Grenzen

Die Revolution von 1848 führt zu einem gemeinsamen Auftreten von Arbeitern, Studenten und auch Gymnasiasten gegen den autoritären Staat.

Der Aufstand wird in Deutschland und Österreich gewaltsam niedergeschlagen. Zwar fällt in der Folge das allgemeine Verbindungsverbot, Schülerverbindungen bleiben in Österreich jedoch bis 1918 offiziell untersagt. Das Bild zeigt eine Barrikade bei der Universität Wien am 26. Mai 1948 (Druck und Verlag F. Werner, Wien).

Ende 19. Jhdt

Erste katholische Verbindungen in Österreich

Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickeln sich studentische Verbindungen in unterschiedliche ideologische Richtungen.

Neben national geprägten Burschenschaften sowie liberalen Landsmannschaften und Corps entstehen auch konfessionelle Verbindungen, die sich in eigenen Verbänden organisieren. Trotz äußerlicher Ähnlichkeiten unterscheiden sie sich deutlich in Haltung und Ausrichtung. Konfessionelle Bünde lehnen politische Radikalisierung ebenso ab wie gewaltsame Traditionen wie das Duellieren oder die Mensur.

Um 1900

Erste Dachverbände

1864 wird auf dem Boden des damaligen Österreich die erste katholische Mittelschulverbindung („Pennalie“) gegründet, sie kann sich bis 1872 halten.

1876 gründet sich die bis heute bestehende Teutonia Innsbruck. Um 1900 schließen sich katholische Schülerverbindungen erstmals in einem Dachverband zusammen. Diese frühen Zusammenschlüsse sind oft kurzlebig, legen aber den Grundstein für eine dauerhafte Organisation.

1933

Gründung des MKV

Während des 10. Österreichischen Katholikentags in Wien wird der VMK (Verband der katholisch-deutschen farbentragenden Mittelschulverbindungen Österreichs) gegründet.

Ziel ist es, katholische farbentragende Schülerverbindungen unter einem gemeinsamen Wertefundament zu vereinen. Er nimmt zwei Jahre später den Namen MKV (Mittelschüler-Kartellverband der katholischen farbentragenden Studentenkorporationen Österreichs) an, den er bis heute führt. Das Bild zeigt die Aufstellung der Arbeitsgemeinschaft der Wiener katholischen Pennalverbindungen vor der Karlskirche beim Katholikentag im September 1933.

1938

Verbot und Widerstand

Mit dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland im Jahr 1938 wird der MKV – wie alle Verbindungen – verboten.

Viele Mitglieder halten jedoch im Stillen Kontakt. Zahlreiche Mitglieder werden Opfer der politischen Verfolgung, manche – wie der Priester Walter Caldonazzi – sterben im Widerstand.

1945

Neubeginn

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird der MKV rasch wieder aufgebaut.

Zahlreiche Mitglieder beteiligen sich am demokratischen Neubeginn Österreichs, darunter auch die späteren Bundeskanzler Leopold Figl, Julius Raab und Alfons Gorbach. Der Verband wird reaktiviert und versteht sich erneut als Ort der Bildung, Verantwortung und Gemeinschaft. Das Bild zeigt Leopold Figl in der traditionellen studentischen Kleidung mit Band und “Deckel” (Hut).

1970er Jahre

Engagement für die Schülervertretung

In den 1970er-Jahren wächst der MKV stark und engagiert sich aktiv für die Mitbestimmung von Schüler:innen.

Er beteiligt sich maßgeblich am Aufbau moderner Schülervertretungen und wirkt an der Gründung überregionaler sowie europäischer Zusammenschlüsse mit, darunter die heutige Schülerunion und der Europäische Kartellverband (EKV).

2012

Klare Abgrenzung

Im Jahr 2012 bezieht der MKV öffentlich Stellung und grenzt sich klar von extremistischen, politischen oder waffenstudentischen Praktiken ab. Ziel ist es, Missverständnisse auszuräumen und Transparenz zu schaffen.

Gegenwart

Der MKV heute

Heute umfasst der MKV über 160 Schülerverbindungen in ganz Österreich.

Er ist politisch unabhängig, steht aber auf dem Boden der katholischen Soziallehre und fördert das Engagment seiner Mitglieder in Schule, Kirche, Gesellschaft und Politik. Der Verband versteht sich als gesellschaftlich engagiert, nicht parteipolitisch. Traditionen werden gepflegt, nicht um der Vergangenheit willen, sondern als Ausdruck von Freundschaft, Zusammenhalt und Verantwortung über Generationen hinweg.

Schreibe deine Geschichte

Jede Zeit braucht junge Menschen mit Haltung, Ideen und Mut zur Mitgestaltung. Mit einer Mitgliedschaft in einer unserer über 160 Verbindungen in ganz Österreich beginnt deine eigene Geschichte.

Lachende Farbstudenten bei einer geselligen Abendveranstaltung.

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Das COULEUR widmet sich den Fragen unserer Zeit und verbindet Beiträge zu Gesellschaft, Religion, Demokratie und Bildung mit jener Idee von Freundschaft, die unser Verbandsleben trägt.